Ein besorgter Rüttenscheider Anwohner hat mir eine Publikation des amerikanischen Historikers William S. Lind mit dem Thema: „ Auslöschung unserer Erinnerung!“ im Zusammenhang mit der Straßenumbenennung der von Einem- und von Seeckt-Straße zugesandt.
Immer mehr scheinbar missliebige historische Straßen Namen werden getilgt, jüngste Fälle sind: der Hindenburgplatz in Münster und hier in Essen die Von-Einem- und Von-Seeckt- Straßen. Solche Umbenennungen sind nicht so harmlos, wie sie zunächst erscheinen, sondern Teil einer schleichenden Ideologisierung.
Man sollte sich nicht von seiner Geschichte abkehren. Fast alle großen Kulturen der Weltgeschichte haben sich stets an die Vergangenheit orientiert, haben ihre Vorfahren geehrt und gehasst. Man ist heute nicht klüger als sämtliche Generationen vor uns, das wäre Hochmut.
Ich meine, dass eine Gesellschaft ohne Bezug zur Vergangenheit keine Basis bietet um die Gegenwart beurteilen zu können!
Die Menschen damals waren nicht einfach alle Rechtsextreme, sondern sie lebten in einer anderen Zeit und in einer anderen Welt. Sie haben manchmal großartiges geleistet und schließlich erst die Entwicklung unserer heutigen politischen Bedingungen möglich gemacht.
Auch „von Seeckt“ und „von Einem“ waren Männer ihrer Zeit, Monarchisten und damit nicht automatisch Verbrecher.
Mir macht Sorge, dass diese Art von Persönlichkeitsverunglimpfung speziell von den etablierten Grünen ausgeht. Im Bezug auf einen aktuellen Zeitungsbericht in der WAZ vom 27.10.12 werden die Grünen als bürgerlich, gebildet und gut situiert und man höre, als weltoffen dargestellt. Es gab scheinbar 2 Seiten der Grünen, die vor gut 40 Jahren, als man sich gründete und aus vielen Lagern entstanden ist, gegen Engstirnigkeit und Kleingeist gestemmt hat, auf die Straßen ging, um mehr Toleranz und Liberalität einzufordern.
Heute gibt es die Grünen, die sich selber als Konservative sehen, geläuterte Alt-68-er Professoren, fest in akademischen und öffentlichen Diensten tätig und in anderen mittelständischen Berufen, denen es finanziell ausgesprochen gut geht, besser jedenfalls, als vielen Anderen in der Bevölkerung, die nicht so fest im Sattel sitzen und dieses zieht sich bis in die Basis fort. Umso mehr enttäuscht dieses engstirnige, ideologische Festhalten der Grünen in Bezug auf die Umbenennung der Rüttenscheider-Strassennamen.
Empörend ist und von vielen Essener Bürgern ebenfalls geäußert, das die Familiennamen von Seeckt und von Einem derart diskreditiert und politisch von den Grünen und der rot-roten Mehrheit im Bezirk instrumentalisiert werden. Deren Versuche durch salomonische Anker-Rettungen wie Namensvetter für „von Seeckt“ und „von Einem“ zu finden und einzusetzen scheinbar nicht aufgehen und gleichzeitig aufzeigen wessen Geistes Kinder am Werke sind.
Heidemarie von Münchhausen
1. stellvertretende Bezirksbürgermeisterin
